Pflanze des Monats September

by wyder, 17. September 2019

Edelkastanie

 

»Es ist nicht die stärkste Spezies die überlebt, auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann.«

Charles Darwin

 

Die Temperaturen werden langsam kühler und schon bald stehen sie wieder an jeder zweiten Ecke, die Maroni-Stände. Die schmackhaften und nahrhaften Früchte der Edelkastanie wärmen einem dann Hände und Seele.

Doch mit der Edelkastanie verbinden wir nicht nur die Maroni-Stände, sondern der schwere Blütenduft, das Schlendern durch die im Herbstlicht leuchtenden Kastanienhaine in den südlichen Regionen. Doch dem ist längst nicht mehr so. Die Edelkastanie hat die Alpen längst überquert und ist mit grossen Schritten auf dem Vormarsch Richtung Norden.

Die Edelkastanie gehört zu den Buchengewächsen und erreicht eine stattliche Höhe von bis zu 25m. Es wurden auch schon Exemplare entdeckt die einen Stammdurchmesser von über 4m erreichten. Das längliche, sommergrüne Blatt hat einen gesägten Rand und eine kräftig grüne Farbe. Durch ihr dichtes Blattwerk, welches im Herbst eine wunderschöne Herbstfärbung bildet, eignet sich der Baum auch hervorragend als Schattenbaum und Blickfang im Garten. Charakteristisch und unverwechselbar sind die Früchte der Edelkastanie. Umhüllt von einer dicken, sehr spitz-stacheligen Schale bildet der Baum die uns so bekannten Maroni. Früher als Grundnahrungsmittel in den Bergregionen hat sich die Maroni beinahe zu einer Delikatesse gewandelt. Sei es simpel geröstet, als Dessert besser bekannt als Vermicelles, oder als Polenta aus Kastanienmehl.

Der Baum gedeiht sehr gut auf durchlässigen, humosen und eher sauren Böden mit ausreichender Feuchtigkeit. Er ist auf mildes Klima angewiesen und gedeiht am besten an geschützten Lagen.

Diese geschützten Lagen sind die Edelkastanien nun aber im Begriff zu verlassen. Der fortschreitende Klimawandel, setzt unseren Wäldern im Mittelland zusehends zu. Die Buchen haben die Hitzeperioden der letzten Jahre nur sehr schlecht überstanden, werden anfällig für Krankheiten oder fallen dem Borkenkäfer zum Opfer. Die Forstindustrie ist auf der Suche nach Alternativen auf die Edelkastanie gestossen. Durch ihre Zugehörigkeit zu den Buchengewächsen, die Verträglichkeit der höheren Temperaturen, das Wuchsbild, die Laub- und Fruchtbildung ist sie der ideale Ersatz für die Buche.

Sowohl im Mittelland (beispielsweise Baselland) sowie in Teilen Süddeutschlands sind Versuchsprojekte im Gange ob und wie sich die Edelkastanie längerfristig in der Forstwirtschaft eignet.

Ein innovativer Landwirt aus dem Kanton Aargau hat diesen Wandel schon frühzeitig geahnt und bereits 2012 mit einem Kastanienpilotprojekt begonnen. Mittlerweile steht die grösste Edelkastanien-Plantage der Schweiz nicht im Tessin, sondern bei ihm in Niederwil im Kanton Aargau. Was als Baumschule mit kleinen Bäumen angefangen hat ist mittlerweile zu einer Plantage mit 2 Hektaren Grösse angewachsen. Bereits 2016 konnte er 800kg Maroni ernten und diverse Medien wie SRF oder die Aargauer Zeitung berichteten darüber.

Zum Schluss ein paar bekannte und unbekannte Fakten zur Edelkastanie.

Wussten Sie, dass…

…die Edelkastanie (Castanea sativa) nicht mit der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) verwandt ist. Sie verbindet lediglich die ähnliche Frucht.

…man Edelkastanienmehl auch zum süssen von Kuchen oder Müsli verwenden kann.

…es Edelkastanienhonig gibt. Bienen besuchen gerne die Blüten der Edelkastanie, der Honig schmeckt herb-süss und sehr aromatisch.

…die Edelkastanie ein Hitzekünstler ist. Sie erträgt hohe Temperaturen und trockene Standorte.

…das Holz reich an Gerbstoffen ist und deshalb nur langsam verrotten. Deshalb wird es oft für den Zaunbau verwendet.

…die Maroni das Brot der Armen war. Die Früchte können bis zu 2 Jahre gelagert werden und waren deshalb in Hungersnöten oft die letzte Rettung.

…Vermicelles Maroni Püree ist.

 

Quellen:

Aargauerzeitung.ch, srf.ch, hauenstein-rafz.ch, zulaufquelle.ch, gauchs.ch, waldwissen.net, wikipedia.org, bettybossi.ch

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